‘Cancel Culture’ in Zürcher Kulturbetrieb?

Drei Menschen sagen ihre geplante Rede für eine Veranstaltungsreihe im ‘Karl der Grosse’ ab. Ein an ihrer Stelle eingeladener Zürcher Musiker unterstellt ihnen ‘Cancel Culture’.

Das ‘’ ist ein Gastro- und Kulturbetrieb des Zürcher Sozialdepartements, der in erster Linie ein Ort für Diskussionen und Debatten sein möchte. Im vorliegenden Fall findet leider keine (Meta-)Debatte statt, weshalb ich diesen Beitrag verfasse.

So weit ich die beteiligten Menschen kenne, schätze ich sie und ihre Haltungen und ihr Wirken grösstenteils sehr. In der Sache erlaube ich mir trotzdem, eine relativ klare Meinung zu vertreten. Beim Verfassen dieses Beitrages nahm ich mit niemandem Rücksprache. Er soll viel mehr eine Auslegeordnung sein, um etwas breiter darüber diskutieren zu können, was da vorgefallen ist und wie (auch noch) darauf reagiert werden könnte.

Auf die Absage der drei Menschen bin ich auf Instagram aufmerksam geworden (Insta-Posts lassen sich auf medium scheinbar nicht einbetten. ).

Ihr Statement, das ich von da rauskopiert habe:

Wir teilen mit, dass wir unser Engagement ‚Winterreden‘ im Januar 2021 absagen. Wir sind uns bewusst geworden, welche Positionen eine Stimme am selben Anlass vertreten darf. Dabei haben wir gemerkt, dass wir keine Plattform mit einer solchen ’Sichtweise’ teilen wollen. Aussagen über das Corona Virus und das dieses “mit einer saisonalen Grippe vergleichbar sei“ empfinden wir als falsche, ja sogar gefährliche Informationen und macht nicht nur die Intensivpflegefachperson unter uns enorm betroffen. Zusätzlich werden wir durch die politische Position der genannten ’Sichtweise’ als FTIQ* Menschen und People of Color nach wie vor diskriminiert und traumatisiert. Wir fühlen im Konsens, dass es sich hier nicht um Meinungsverschiedenheiten handelt, sondern um eine Menschen gefährdende und verachtende Haltung, mit welcher wir in dieser Situation nicht gleichgesetzt auftreten möchten.

Sascha Rijkeboer
Bran Dee Bütler

Palin Sarah

Seitens ‘’ ist mir dazu keine Reaktion bekannt. Je nach Chronologie würde ich eine solche hier oder ganz unten ergänzen.

Die drei Redner*innen wurden scheinbar kommentarlos ersetzt — unter anderem durch . In seiner dramaturgisch brillant vorgeführten Rede giesst er jedoch eher Öl ins Feuer dieser Debatte, statt deeskalierend oder vermittelnd zu wirken.

Nachdem der SVP jahrzehntelang jedes erdenkliche Mikrofon hingehalten wurde und ihr nun weibliche und nonbinäre Menschen und POC das Teilen einer Plattform verweigern, findet Domenico, dass das ‘Cancel Culture’ sei 🤔

Dieser Widerspruch verdeutlicht, weshalb das monierte ‘Cancel Culture’ sehr oft hinkt. Gecancelt kann nämlich nur etwas werden, das bereits eine gewisse Aufmerksamkeit geniesst. Was ist jedoch mit allem, das nie oder nur eine ganz bescheidene Öffentlichkeit erhält? Erstaunlicherweise gibt es dazu keinen (breit diskutierten) Begriff (spontan kam mir ‘ghosting’ in den Sinn, aber ;).

Auf die Rede von Domenico bin ich erneut auf Insta aufmerksam geworden. Dort hat nämlich in zwei Posts eine Replik verfasst:

Der Auslöser für diesen Blogeintrag waren letztendlich meine Diskussionsbeiträge .

Und auch nahm inzwischen auf Facebook dazu Stellung:

So weit meine (nicht ganz neutrale;) Auslegeordnung.

Weil ich mir bewusst bin, dass die Debatte nun hauptsächlich auf Social Media geführt wird und nicht hier in den Kommentaren, werde ich versuchen, in diesem Beitrag weitere interessante Posts und Threads zusammenzutragen (wenn es chronologisch wichtig ist, oben eingefügt, ansonsten hier angehängt).

teilzeit community developer @swissinfo.ch, teilzeit beratung, ehem. SM editor/curator @watson.ch, NachtStadtrat Zürich, ex-direktor cabaret voltaire

teilzeit community developer @swissinfo.ch, teilzeit beratung, ehem. SM editor/curator @watson.ch, NachtStadtrat Zürich, ex-direktor cabaret voltaire